Lithium: Das Mineral, das die meisten falsch verstehen
Liebe Leserin, lieber Leser,
als ich vor Kurzem auf Instagram ĂŒber Lithium geschrieben habe, kamen so viele Nachrichten und Fragen wie selten. Das hat mich gefreut. Denn Lithium begleitet mich in meiner Praxis schon sehr lange und kaum ein Thema wird so oft missverstanden.
Die meisten kennen Lithium nur als starkes Medikament, hoch dosiert, gegen bipolare Störungen, mit Blutkontrollen und einem engen therapeutischen Rahmen. Und dabei bleibt es dann auch. Schade, denn das ist nur ein winziger Ausschnitt.
Zuerst einmal: Lithium ist ein Mineral, kein Kunstprodukt
Lithium ist ein natĂŒrliches Element. Ein Mineralstoff, so wie Magnesium, Zink oder Selen. Und wie diese, ist es ein relevantes Spurenelement und trĂ€gt zu unserer Gesundheit bei. Wir nehmen es jeden Tag auf, ĂŒber GemĂŒse, Getreide, NĂŒsse, am meisten ĂŒber unser Wasser, ganz ohne dass wir es merken*.

Wenn ich ĂŒber eine zusĂ€tzliche Einnahme spreche, dann im Rahmen der orthomolekularen Vitalstoffmedizin in Dosierungen von 1 bis 5 mg elementar, gebunden im Lithiumorotat (entspricht ca. 25 bis 125 mg Lithiumorotat) und nicht als Psychopharmakon in der Form als Lithiumcarbonat in einer 100 bis 500x höheren Dosis.
Am schönsten sieht man das beim Mineralwasser âStaatlich Fachingerâ, denn es enthĂ€lt von Natur aus mehr Lithium. Das Bad Mergentheimer Heilwasser sogar um ein Vielfaches mehr. Menschen trinken das seit Generationen, ganz selbstverstĂ€ndlich, aus der Quelle.
Wer also sagt, Lithium sei etwas KĂŒnstliches oder gar GefĂ€hrliches, ĂŒbersieht, dass es ein Teil unserer natĂŒrlichen Versorgung ist.
Und noch etwas wird oft verwechselt: Viele glauben, Lithium sei verschreibungspflichtig. Das stimmt so nicht. Es ist in Deutschland nicht als NahrungsergĂ€nzungsmittel zugelassen und wird deshalb ĂŒber Rezepturapotheken verschrieben. In den USA hingegen ist es frei verkĂ€uflich. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied, der viel von der Verunsicherung nimmt.
Was ich in der Praxis sehe
Ich setze Lithium seit rund 15 Jahren regelmĂ€Ăig bei meinen Patientinnen und Patienten ein, in kleinen, sorgfĂ€ltig abgestimmten Mengen. Und ich sehe dabei immer wieder Effekte, die wir ĂŒber die ErnĂ€hrung allein nicht erreichen können.
Besonders deutlich wird es z.B. bei Menschen mit MigrĂ€ne, da das Gehirn ĂŒberreizt ist oder bei Menschen, die unter dauerhaftem Stress stehen, gerade auch bei Neurodivergenz. Wo vorher wenig gegriffen hat, kommt oft eine Ruhe ins System, die sich anders kaum erklĂ€ren lĂ€sst.
Warum ein so kleiner Stoff so viel bewegt
Lithium setzt nicht an einer einzigen Stelle an, sondern an mehreren gleichzeitig:
-> Es schĂŒtzt die Nervenzellen und beruhigt ein ĂŒberreiztes Nervensystem.
-> Es unterstĂŒtzt die Bildung und die Vernetzung neuer Nervenzellen.
-> Und es hilft, die Stimmung zu stabilisieren, weil es auf unsere Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin wirkt.
Die Forschung fĂ€ngt gerade erst an, das einzuholen, was sich in der Praxis lĂ€ngst zeigt. Eine groĂe Untersuchung aus Harvard hat 2025 zum Beispiel herausgefunden, dass im Gehirn bei beginnender Demenz auffĂ€llig wenig Lithium vorhanden ist. FĂŒr mich ist das kein Widerspruch, sondern eine BestĂ€tigung.
Ein Gedanke, der mir am Herzen liegt
Gerade fĂŒr junge Familien finde ich einen Punkt besonders spannend.
Ist eine werdende Mutter gut mit Lithium versorgt, scheint das die Entwicklung des kindlichen Gehirns zu unterstĂŒtzen, bis hin zur spĂ€teren geistigen LeistungsfĂ€higkeit. Eine gute Versorgung wirkt also weiter, als die meisten denken. Bis in die nĂ€chste Generation.
Ein wichtiger Hinweis dabei: Die gezielte Einnahme gehört in Àrztliche Begleitung, nicht in Eigenregie! Die richtige Menge entscheidet, und die ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Zum Schluss
Gesundheit ist kein Zufall. Manchmal fehlt dem Körper einfach ein kleiner Baustein, den wir viel zu lange ĂŒbersehen haben. Lithium ist fĂŒr mich so ein Baustein. Unscheinbar, natĂŒrlich, und doch mit einer Wirkung, die mich nach all den Jahren immer noch berĂŒhrt.
Alles Liebe,
Deine Ursula Ehrhorn
P.S.: Kennst Du jemanden, der unter MigrÀne oder stÀndigem Stress leidet? Dann leite diesen Newsletter gern weiter. Und wenn Du magst, schreib mir, ob Du selbst schon einmal von Lithium gehört hattest, bevor Du diese Email gelesen hast. Ich bin neugierig.
Quellen:
Schrauzer GN. Lithium: occurrence, dietary intakes, nutritional essentiality. Journal of the American College of Nutrition. 2002.
Dietary Reference Intakes for Water, Potassium, Sodium, Chloride, and Sulfate (Diskussion zu Spurenelementen und Trinkwasser)
Harari F et al. Exposure to lithium through drinking water and biomarkers in humans. Environment International. 2015.
Mauer S et al. Lithium in drinking water and the incidences of dementia. JAMA Psychiatry. 2022.
*Europa: etwa 0,2â1 mg elementares Lithium/Tag, Deutschland: meist 0,3â0,8 mg/Tag. Regionen mit lithiumreichem Trinkwasser können 1-3 mg/Tag erreichen. In sehr lithiumarmen Regionen liegen Menschen teilweise unter 0,1 mg/Tag.